Es ist Bärlauchzeit

Wenn man aktuell bei unseren Outdoor-Aktivitäten Lust auf Essen bekommt, kann das womöglich an dem Aroma des Bärlauchs liegen. So erging es mir am Samstag, als ich im Wald unterwegs war und einen seltsamen Geruch wahrgenommen habe. Bärlauch ist ein Zwiebelgewächs und verströmt dadurch einen Geruch, der an Knoblauch oder Schnittlauch erinnert. Er kommt an feuchten Standorten in Laub- und Auwälder vor und wenn man an Senken und Bachläufen die Augen offenhält, dann hat man gute Chancen ihn zu finden. Der Beitrag zeigt Erkennungsmerkmale, Verwendungsarten und gibt Hinweise zum Umfang der Sammeltätigkeit.

 

Bärlauch erkennen

Bei dieser Pflanze kann es zu Verwechslungen mit Maiglöckchen, Herbstzeitlosen und Aronstab kommen, die bei Beachtung von u.a. zwei praktischen Merkmalen ausgeschlossen werden können.

1. Die Blattunterseite des Bärlauchs ist matt (die anderen sind leicht bis kräftig glänzend)

2. Der Stiel läuft bis zur Blattspitze durch und knackt hörbar, wenn man ihn bricht.

Der Geruch sollte nicht als Merkmal herangezogen werden, da beim Sammeln die Finger nach einer Zeit nach dem Bärlauch riechen und eine Identifizierung beeinträchtigt werden kann.

Oft habe ich gelesen, dass die Blätter nur vor der Blütezeit (die ab Anfang Mai beginnt und je nach Sonneneinstrahlung variiert) geerntet werden dürfen, da sonst das Aroma verschwindet. Dabei ist das mit dem Aroma gar nicht so korrekt. Das Aroma ist zwar reduziert, aber dennoch vorhanden. Der kugelige weiße Blütenstand ist die beste Möglichkeit einer Verwechslung zu entgehen, aber wegen des Aromadefizits kommt es immer wieder dazu. Wer also sicher gehen will, geht einfach zu Blütezeit sammeln. Im Internet findet man zahlreiche Informationsquellen mit weiteren Bildern zur Prävention. 

Beim Bärlauch kann man im Grunde alles nutzen. Am effektivsten sind die Blätter zu ernten. Aber auch die Knospen sind sehr schmackhaft und lassen sich wie Kapern verwenden. Wenn man die Standorte kennt, dann kann man ab Juni die Zwiebeln für die heimische Küche nutzbar machen und in Öl einlegen.

Und warum ist der Bärlauch so besonders?

Der Bärlauch ist hinsichtlich der Nährstoffe im Durchschnitt der Wildpflanzen. Aber mit Eisen, Vitamin C und antibakteriell wirkenden Stoffen wie Senfölglykosiden zeigt er seine Stärken. Der Bärlauch sorgt für frischen Wind in unseren Gefäßen, denn er wirkt blutreinigend, cholesterinsenkend, blutdruckregulierend und beugt so Gefäßveränderungen und Herzinfarkten vor.

Hier noch ein paar Grundsätze zum Sammeln in der Natur.

Der Bärlauch ist ein Frühblüher und nutzt die Chance, bevor die Laubbäume ihr Schattendach entwickeln. Deswegen versucht er sich frühzeitig zu vermehren und zieht sich ab der Jahresmitte in seine Zwiebel zurück. Daher sollte man Knospen und Zwiebeln nur in geringen Mengen entnehmen.

Ich sehe häufig Personen mit Scheren die gesamte Pflanze ernten. Diese Methode hat jedoch ihre Tücken. Erstens kann es dazu kommen, dass man ausversehen doch mal ein falsches Blatt erwischt. Ich persönlich hocke mich in ein Bärlauch-Feld und greife mal hier und mal dazu. Ich sammle jedes Blatt einzeln und achte dabei auf die oben beschriebenen Merkmale. Zweitens achte ich zusätzlich darauf nicht die komplette Pflanze zu entnehmen. Nur die auf dem Bild habe ich zu Anschauungszwecken für das Foto ausgegraben und nach dem Foto wieder eingegraben.

Bei der letzten Bärlauch-Tour habe ich einen Menschen gesehen, der den gesamten Rucksack vollgestopft hatte. Auch das ist die falsche Art, die Früchte der Natur zu nutzen. Es ist gesetzlich festgeschrieben, dass Pflanzen, die nicht geschützt sind und nicht in einem Schutzgebiet vorkommen nur in geringem Maße gepflückt werden dürfen. Und da gibt es eine konkrete Angabe – Erlaubtes Maß ist ein Handstrauß, das ist so viel, „wie man in einer Hand zwischen Daumen und Zeigefinger umfassen kann“ (Quelle: www.nabu.de mit weiteren Hinweisen zum Sammeln)

Kurzum: Es ist sicherer, wenn man die Blätter einzeln und bedacht entnimmt, sodass dabei auch gleich die Natur nicht zu stark beeinträchtigt wird. Den Kompromiss nehme ich gerne an und mach eine ganz bewusste Sammelpause und gönne mir die Zeit beim Sammeln. Vielleicht zeigt sich so auch noch das eine oder andere Tier.

Verwendung in der Küche

Zurück zum Bärlauch und wie man diese leckere Pflanze nutzen kann. Zunächst sollten die Blätter gewaschen werden. Dazu lege ich die Ernte zunächst in ein Waschbecken mit kaltem Wasser, nehme jedes Blatt erneut in die Hand und spüle es ab. Es ist zwar etwas mehr Arbeit als mit der Salatschleuder, aber ich habe einen zweiten Sicherheitscheck eingebaut. Es gibt eine Vielzahl an Gerichten und Verarbeitungsmöglichkeiten. So kann der Bärlauch frisch geerntet und gewaschen direkt in die verschiedensten Gerichte integriert werden. Er kann bei der Verfeinerung von Suppen, Pasta und der Zubereitung eines erfrischenden Frühlingsquarks genutzt werden. Für die Zeiten ohne Bärlauch lässt sich der Geschmack z.B. als Pesto, Salz oder getrocknet konservieren. Ich habe mir dieses Mal ca. 100 g aus dem Wald geholt und daraus ein Bärlauch-Salz und eine Bärlauch-Rapsöl-Paste hergestellt. Die Paste kann ich mit Zugabe von Nüssen, weiteren Gewürzen und z.B. Parmesan zu einem tollen Pesto erweitern. Zuletzt habe ich ein paar Blätter getrocknet und kann diese vielfältig einsetzen.

Ich hoffe, dass ich Lust auf die Natur machen konnte und dass die Hinweise zu den Verwechslungsmöglichkeiten hilfreich waren. Ich würde mich freuen, wenn Sie auf die Sammelregeln, auch bei anderen Personen, achten. Falls noch Fragen rund um das Sammeln auftauchen stehe ich gerne unter naturschutz@dav-wetzlar.de zur Verfügung.

 

 

Liebe Grüße und viel Spaß in der Natur!

 

 

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