Walliser Alpen–Rund um Saas Fee und Zermatt

Vortrag Wolfgang Rauschel„Die Neandertaler legten täglich etwa 40 Kilometer zurück, unsere Vorfahren um 1900 gingen noch 30 km zu Fuß, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es immerhin noch 20. Von den heutigen Zeitgenossen werden hingegen im Schnitt nur noch 1,5 km pro Tag auf eigenen Füßen gemeistert.“ Mit dieser Skizze der menschlichen Entwicklungsgeschichte vom Jäger und Sammler hin zur Couch-Kartoffel eröffnete Christian Sarges, 2. Vorsitzender der Wetzlarer Sektion des Deutschen Alpenvereins, einen Dia-Vortrag über Naturschönheiten und bergsteigerische Herausforderungen in den Hochalpen.

Als Referent war der aus Nidda stammende 72-jährige Bergsteiger Wolfgang Rauschel angereist. Er ist der mutmaßlich rührigste Alpinist Hessens und hat bereits 3800 verschiedene Gipfel bezwungen („Reinhold Messner kann mir von der Zahl her wohl nicht das Wasser reichen.“).

Der vor 50 Gästen in der Alten Aula der Lotteschule gehaltene und mit eindrucksvollen Bildern illustrierte Vortrag gab Einblicke in die Bergwelt des Schweizer Wallis, der Grenzregion zu Italien und Frankreich. Der Aufstieg erfolgt normalerweise von Westen, vom Rhonetal her. In den Dörfern des Wallis gibt es – anstelle von Fuß- oder Handballwettkämpfen – das „Kuh-Ringen“, Duelle zwischen weiblichen Exemplaren einer besonders aggressiven Rinderrasse. Als die ersten englischen Touristen vor 150 Jahren die Ruhe und Einsamkeit der Bergwelt schätzen lernten, wurden sie von den Einheimischen zumeist für Viehdiebe gehalten. Übernachtung bot der Dorfpfarrer an. Hotels gab es noch keine. Heute zählt man alleine in Zermatt, am Fuß des Matterhorns gelegen, 15.000 Übernachtungen pro Tag. Viele Touristen kommen aus Asien und posieren mit Berner Sennhunden und Schweizer Flaggen fürs Gruppenfoto.

Der pensionierte Lehrer Rauschel fühlt sich „unter dem himmlischen Sternenzelt“ nachts besser aufgehoben als „unter den läppischen 5 Hotel-Sternen“. Längere Bergtouren können durchaus von 2 bis 22 Uhr dauern („Schlafen ist eine dumme Angewohnheit dort droben“). Einfachere Klettersteige erwandert er mit seinen Enkelkindern: „Was haben die für eine Freude in der freien Natur! Kein Computerspiel kann mit der phantastischen Bergwelt konkurrieren!“.

Das Wallis ist die Alpenregion mit den meisten Viertausendern. Elf davon hat Wolfgang Rauschel während einer dreitägigen Klettertour erklommen. Der „Dom“ ist mit 4545 Metern der höchste Berg der Schweiz, der Liss-Kamm hat den Beinamen „Menschenfresser“ und dem bei Saas im Oberwallis gelegenen Fletschhorn fehlen 2 Meter, um als Viertausender gelten zu können.

Die „Perle der Alpen“ ist für den weitgereisten Bergfreund das von mehreren Viertausendern umgebene Saasfee. Und das Matterhorn, über dessen Gipfel die schweizerisch-italienische Grenze verläuft, „ist wohl der schönste Berg der Alpen, wenn nicht sogar der ganzen Welt“. Rund 200 Bergsteiger aus aller Welt versuchen im Sommer täglich den Aufstieg, nur eine Minderheit davon erreicht auch tatsächlich das Gipfelkreuz. 4 bis 15 Wagemutige lassen dabei pro Jahr ihr Leben.

Der Skitourismus erobert immer höhere Regionen, die Gletscherschmelze schreitet ungebremst voran. „In 20 Jahren wird es dort keine Gletscher mehr geben“, prognostiziert der erfahrene Alpinist: „Das Rhonetal lebt vom Obst- und Gemüseanbau. Wo soll dann das dafür benötigte Wasser herkommen?“

 

Text und Bild Klaus Petri

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